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Seide
Die chinesische Kaiserin Si-Ling-Chi sitzt um 2.640 vor Christus in ihrem Garten und nimmt unter einem Maulbeerbaum eine Tasse Tee zu sich. Plötzlich fällt etwas vom Baum auf sie herab: der Kokon einer Seidenspinnerraupe. Beim Versuch, den fremden Gegenstand zu entfernen, hält Si-Ling-Chi plötzlich einen Knäuel schimmernder Fasern in ihren Händen – und ihr kommt die Idee, das feine Gespinst zu Stoff zu verarbeiten. Es ist der Beginn der Seidenindustrie.
So geht die bekannteste der vielen Legenden über die Erfindung der Seide. Und über viele Jahrhunderte hinweg hüten die Chinesen das Geheimnis der Herstellung streng: Nur fertige Stoffe dürfen über die Seidenstraße ins Abendland gelangen. Wer es wagt, die Eier oder Raupen des Seidenspinners außer Landes zu bringen, dem droht die Todesstrafe. Erst im sechsten Jahrhundert nach Christus lüften die Bewohner der westlichen Welt das Geheimnis der Seidenproduktion. Zwei Mönche, gesendet vom byzantinischen Kaiser Justitian, schmuggeln die notwendigen Utensilien außer Landes. In ihren Bambusstöcken – Kennzeichen ihres Pilgerstatus – verbergen sie Raupeneier und Maulbeersamen. Mit Erfolg: Noch heute stammen sämtliche europäischen Seidenspinnerraupen von der verbotenen Fracht ab, die die beiden Mönche ins oströmische Reich bringen.
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