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Erstellt am: 23 Oktober 2012 | Von Daniel Booth

Kubakrise: Wenn ein Paradies plötzlich zum Feind wird

Auf dem paradiesischen Inselstaat Kuba entdecken die USA am 14. Oktober 1962 sowjetische Nuklearwaffen. Es folgen die bedrohlichsten zwei Wochen des Kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten. 13 Tage lang steht die Menschheit nur einen Knopfdruck entfernt von ihrem Untergang. Jeden Moment kann eine Seite mit ihrem nuklearen Waffenarsenal losschlagen.


Bewaffnet mit Kameras: Eine U-2 Dragon Lady (© Bild: US Air Force)
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  • Bewaffnet mit Kameras: Eine U-2 Dragon Lady (© Bild: US Air Force)
  • Sowjetische Raketenstellungen werden errichtet (© Bild: gwu.edu)
  • Aufnahmen aus 22 Kilometern Höhe (© Bild: US Air Force)
  • Heyser (links) mit Kennedy und Air Force Chief of Staff General Curtis LeMay (© Bild: AP)
  • ExComm (© Bild: Public Domain)
  • Spionagefoto von Militärparade (© Bild: gwu.edu)
  • Nato-Codename „SS-5 Skean“ (© Nato-Codename „SS-5 Skean“: Auch Raketen vom Typ R-14 stationieren die Sowjets auf der Zuckerinsel.)
  • Gefahr aus dem Hinterhof der USA (© Bild: CIA)
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Bild: US Air ForceZeige Thumbnails
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Ein US-Spionageflugzeug vom Typ U-2 „Dragon Lady“ schießt am 14. Oktober 1962 über Kuba die brisantesten Fotos der Nachkriegsgeschichte.

Fast die gesamte Menschheit lebt zwei Wochen in der Angst, dass sie den nächsten Morgen nicht erleben wird. Wie zwei Duellanten, die jeden Moment die Waffe ziehen können, stehen sich die USA und die Sowjetunion gegenüber. Auf Kuba kommt es im Oktober 1962 zum Showdown der zwei Supermächte – das Ende der Menschheit scheint praktisch schon vor der Türe zu stehen.

Seit Juli 1962 stationiert die Sowjetunion ihre Waffen auf Kuba; denn die kommunistische Karibikinsel zählt zu ihren treuesten Verbündeten. Doch was die Amerikaner zuerst nur vermuten, wird am 14. Oktober zur erschreckenden Gewissheit: Ein Spionageflugzeug des Typs U-2 kommt nach einem Flug über den feindlichen Nachbarstaat mit brisanten Bildern zurück.  36 Mittelstreckenraketen, die ihre atomare Fracht direkt in die USA tragen können, sind auf den Fotos zu sehen. Ein Schock: Die Sowjetunion baut ihren Vorposten Kuba sprichwörtlich zur Raketen-Startrampe aus. Doch wie können die Vereinigten Staaten die Bedrohung aus ihrem „Hinterhof“ verbannen, ohne einen Atomkrieg heraufzubeschwören?

Kennedy in der Zwickmühle

John F. Kennedy (© Cecil Stoughton, White House, Public Domain)

Präsident Kennedy befindet sich in der Zwickmühle: Einerseits darf er sich nicht schwach zeigen, muss den Abzug der Waffen fordern; andererseits ist die Situation so brisant, dass unüberlegtes Handeln jederzeit zur atomaren Katastrophe führen kann. Denn einen nuklearen Erstschlag, egal von welcher Seite er kommt, müsste der Gegner mit gleicher Münze zurückzahlen.

Mehrmals täglich trifft sich eine ausgewählte Gruppe aus Generälen, Sicherheitsberatern und Ministern mit dem Team des Präsidenten. ExComm (Executive Committee) berät über die aktuelle Lage, analysiert Möglichkeiten, den Sowjets die Stirn zu bieten. Immer wieder drängen die Militärs zu Luftangriffe auf die Raketenstellungen – mit anschließender Invasion Kubas. Die Situation spitzt sich zu, die Lage kann jederzeit außer Kontrolle geraten. Kennedy wägt ab, wählt aber eine Alternative zum Angriff: Eine Blockade soll die Sowjetunion daran hindern, neue Raketen nach Kuba zu bringen. Weitere Transportschiffe sind bereits auf dem Weg in die Karibik. Offiziell wird die Blockade „Quarantäne“ genannt.

Die Welt in Angst

Am 22. Oktober verkündet Kennedy die brisante Lage in einer Fernsehansprache, nun weiß auch die Öffentlichkeit davon. Der Präsident spricht auch Chruschtschow in seiner Rede an, den amtierenden Regierungschef der Sowjetunion. Er fordert ihn auf, die weitere Aufrüstung auf Kuba zu stoppen, die vorhandenen Raketen abzubauen und die Lage somit zu entspannen. Aber der Oberste Sowjet weigert sich, und in Kuba bereitet man sich auf eine amerikanische Invasion vor. 

Die USA ziehen die Schlinge um Kuba weiter zu, doch die sowjetischen Schiffe halten nicht an. Die Angst vor dem Moment, in dem die Flotten der verfeindeten Mächte aufeinandertreffen, wächst. Dann eine kurze Erleichterung: die Frachtschiffe werden langsamer und drehen teilweise ab. Doch Kennedy erhält einen Brief von Chruschtschow: Schwarz auf Weiß steht die Ablehnung aller amerikanischer Forderungen von Seiten des UdSSR-Regierungschef auf dem Papier. Die Raketen auf Kuba werden scharf gemacht. Als Reaktion wird in den USA „Defense Condition (DEFCON) 2“ ausgerufen, die zweithöchste Alarmstufe des amerikanischen Militärs.

Am 26. Oktober schickt Cruschtschow Kennedy ein Telegramm, in dem er dem Amerikaner einen Vorschlag macht: Wenn die USA auf eine Invasion Kubas verzichteten, wäre die Präsenz der Sowjets auf der Zuckerinsel nicht mehr nötig. Nur einen Tag später will Chruschtschow jedoch einen anderen Tausch eingehen: Die sowjetischen Raketen auf Kuba will er gegen die amerikanischen in der Türkei tauschen, beide sollen abgebaut werden. Kennedy kann hier aber nicht zustimmen, die Raketen in der Türkei sind amerikanischer Beitrag zur Verteidigung der NATO-Staaten.

Abgeschossene U-2 (© HO, ARCHIVO NACIONAL, AFP)

Am 27. Oktober wird eine U-2 bei einem weiteren Flug über den Inselstaat abgeschossen, der Pilot kommt dabei ums Leben. Die Situation droht zu eskalieren. In einem letzten Treffen von Kennedys Bruder Robert mit dem sowjetischen Botschafter kommt es doch zum  Tausch – das darf aber nicht publik werden, so die Forderung der USA. Deswegen sagen die Amerikaner zwar den Abbau ihrer Raketen in der Türkei zu, das aber mit einer Verzögerung von einem halben Jahr. So wird der Anschein gewahrt, dass es keinen Handel gab.

Für die Welt sieht es so aus, als hätte Chruschtschow das Pokerspiel mit Kennedy verloren. In Wahrheit gewinnt bei dem Deal aber die Menschheit. Bis heute gilt die Kubakrise als der gefährlichste Moment in der Nachkriegsgeschichte.

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