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Der Weg aufs Wasser: Das Zuhause der Zukunft schwimmt

Architekt Koen Olthuis. Bild: Architect Koen Olthuis - Waterstudio.NL
Die Malediven brauchen Hilfe. Kaum ein Land ist durch den Klimawandel so sehr in seiner Existenz bedroht. Gerade einmal zweieinhalb Meter ragt die höchste Erhebung der Inselkette aus dem Wasser, an den meisten Stellen ist es nicht einmal ein Meter. Sollte der Meeresspiegel weiter steigen, dürfte von dem einstigen Urlaubsparadies bereits in hundert Jahren nicht mehr viel übrig sein. Verzweifelt versucht die Regierung, neuen Lebensraum zu erschließen: Vor der Küste der übervölkerten Hauptstadt Malé entstand bereits eine künstliche Insel, und Teile der Bevölkerung müssen vielleicht bald in andere Länder übergesiedelt werden. Doch wo sollen die Urlauber unterkommen? Immerhin werden dreißig Prozent des Bruttoinlandsproduktes durch den Tourismus erwirtschaftet. Was tun, wenn diese Einnahmen wegfallen?
Deshalb hat die maledivische Regierung jetzt gemeinsam mit der holländischen Firma Dutch Docklands und den Architekten von Waterstudio.NL ein gigantisches Bauprojekt verabschiedet, das den Tourismus auf der Inselkette retten soll. Auf einer achtzig Hektar großen Fläche sollen 43 künstliche Inseln geschaffen werden, jede ausgestattet mit einer exklusiven Villa, Strand, einem Pool, Grünflächen und einem Anlegeplatz für Yachten. Im Ausland gefertigt, sollen die neuen Inseln mit Schleppern in den Indischen Ozean gezogen werden. Außerdem wird hier, über drei Inseln verteilt, der erste schwimmende 18-Loch-Golfplatz der Welt entstehen, mit einem Clubhaus und Tunneln unter Wasser, die die einzelnen Areale miteinander verbinden. Komplettiert wird die Anlage durch das "Greenstar", ein schwimmendes Hotel, das auch Platz für Tagungen zum Thema - genau - Klimawandel bieten soll. Kosten des Projekts: fünfhundert Millionen US-Dollar. Die Macher nennen es den "Masterplan für die Malediven".

Der "Sea Tree". Bild: Architect Koen Olthuis - Waterstudio.NL
Das Wasser als Freund, nicht als Feind
Geniale Vision oder Größenwahn? Zumindest haben der Architekt Koen Olthuis von Waterstudio.NL und die Firma Dutch Docklands Erfahrung mit kühnen Bauprojekten auf dem Wasser: Für die Niederlande, die ebenfalls stark vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind, haben sie zahlreiche schwimmende Wohn- und Geschäftsgebäude entworfen, und ein Turm auf dem Meer soll bald in Dubai entstehen. Die Idee, das Wasser als Lebensraum zu erschließen, halten sie für ebenso wichtig wie notwendig. "Bis 2050", so schreibt das Team von Waterstudio.NL, "werden siebzig Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Gegenden leben; da aber neunzig Prozent aller großen Städte am Wasser liegen, müssen wir die Art überdenken, wie wir mit diesem Wasser umgehen." Deshalb wird in den Räumen im holländischen Rijswijk bei Den Haag auch nicht nur über zukünftige schwimmende Lebensräume für Menschen nachgedacht, sondern auch für Tiere und Pflanzen. Der "Sea Tree" beispielsweise, ein künstlicher Baum, der wie eine Ölplattform auf dem Wasser verankert werden soll, könnte Vögeln, Insekten und sogar Fischen ein neues Zuhause bieten - und, vor großen Städten gepflanzt, dem Klima nützen.
Derzeit existieren viele der visionären Projekte nur auf dem Papier. Doch in Holland ist man fest entschlossen, die Pläne auch in die Tat umzusetzen. Bereits Endes dieses Jahres soll mit der Entwicklung der künstlichen Inseln auf den Malediven begonnen werden - denn im Jahr 2015, hoffen die Macher, werden hier die ersten Menschen leben.
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