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Blaue Wunderwelt Ozeanien: Der Kontinent unter Wasser

Bild: Imago
Seit Wochen haben die neun Männer und Frauen keinen festen Boden mehr unter ihren Füßen. Wie eine Nussschale schwimmt ihr fünf Meter langer Katamaran in der Wasserwüste des Pazifiks. Ein Westwind bläht die beiden Segel, die die Frauen aus Pandanus-Blättern geflochten haben. An Bord befinden sich weder Kompass noch Karte. Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Da die meisten Inseln nur wenige Kilometer Küstenlinie haben, liegt die Wahrscheinlichkeit, bei einer Reise quer durch die Millionen Quadratkilometer große Wasserwelt von Ozeanien auf Land zu treffen, bei gerade mal 0,4 Prozent. Doch die Entdecker haben Glück. Plötzlich taucht am Horizont ein winziger Fleck auf: ein vorgelagertes Atoll der Salomonen, mehr als 1.700 Kilometer vom nächsten Festland entfernt. Es wird zur neuen Heimat für die Männer und Frauen und ist gleichzeitig der Beginn der Eroberung einer Welt, die nicht für den Menschen geschaffen ist. Die Inselwelt Ozeaniens ist der letzte Erdteil des Planeten, der von Menschen besiedelt worden ist - vor wenigen Jahrtausenden.
Willkommen im ewigen Blau von Waterworld
Bis heute ist nur ein Bruchteil dieser Atolle bewohnt. Zwischen ihnen liegen nicht selten Hunderte von Seemeilen. Und so ist Ozeanien eine Welt, in der noch immer das Kanu das wichtigste Transportmittel ist, seltene Muscheln als Landeswährung benutzt werden und die Strömungen und Winde den Warentausch der verschiedenen Inselstämme bestimmen. Wie die Sterne am Himmel verlieren sich die über 7.500 Inseln Ozeaniens in den endlosen Weiten des Pazifiks. Ein blaues Nichts, siebenmal so groß wie Europa. Und dennoch ist Ozeanien ein Kontinent - ein versunkenes Atlantis. Das erkennt man jedoch erst, wenn man ein Stück tiefer in die blauen Fluten abtaucht.
Können Inseln über Nacht verschwinden?
Während die durchschnittliche Meerestiefe im Pazifik mehr als 3.700 Meter beträgt, liegen große Teile von Ozeanien nur 200 bis 2.000 Meter unter der Wasseroberfläche. Die Region am südöstlichen Rand der Pazifischen Platte liegt auf einem gigantischen Hochplateau. Würde man den Meeresspiegel hier um nur wenige Hundert Meter absenken, kämen auf dem einsamsten Erdteil der Welt gigantische Landflächen zum Vorschein. Entstanden ist dieses riesige Plateau durch das Aufeinandertreffen der Indo-australischen und der Pazifischen Kontinentalplatte. Es ist das ursprüngliche Ozeanien. „Was wir heute sehen, sind nur noch die Bergspitzen dieser Erhebung", sagt der neuseeländische Meeresgeologe Matt Kowally.
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