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Schleimpest: Droht uns diesen Sommer eine Quallenplage?
So mancher Badegast hat bereits die schmerzhafte Bekanntschaft mit den glibberigen Meeresbewohner gemacht: Quallen gehören mit ihren langen, teils giftigen Tentakeln nicht gerade zu den beliebtesten Tieren im Ozean. Eine Berührung mit ihnen kann unangenehm, im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein. Auch in Deutschland gibt es sie: In der Ostsee beispielsweise leben nicht nur zahlreiche der ungefährlichen Ohrenquallen, sondern auch die berüchtigten Gelben Haarquallen. Sie werden auch Feuerquallen genannt und hinterlassen schmerzhafte Verbrennungen. Meeresbiologen befürchten auch dieses Jahr wieder eine Quallenplage an unseren Badestränden. Doch warum zieht es die glibberigen Meeresbewohner in Massen an die Küsten?
Die Meeresströmung treibt die Quallen an die Küste

Bild: ddpimages
Warum sich gerade Quallen immer wieder in Strandnähe tummeln, liegt an Meeresströmungen. Die meisten Arten können sich nicht schnell fortbewegen und werden von Wasser und Wind an die flachen Küstengewässer getrieben. Normalerweise gehören Badestrände mit seichtem Wasser nicht zu den bevorzugten Gebieten der Nesseltiere : So fühlen sich Feuerquallen, die häufig im Mittelmeer und an der Nord- und Ostsee anzutreffen sind, eigentlich in salzigem, kaltem Tiefwasser am wohlsten.
Ist der Winter kalt und der Sommer warm genug, kommt es zu einem besonders quallenreichen Jahr, sagt Quallenforscher Lutz Postel vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Die Polypen, ein Vorstadium der Quallen, benötigen einen Temperaturwechsel von kalt auf warm und dazu einen harten Untergrund zum Beispiel auf Steinen oder Muscheln auf dem Meeresboden, um zu wachsen und sich zu vermehren. Im Sommer wachsen die Polypen zu Quallen heran - umso wärmer das Wasser, desto besser für die Quallen.
In den letzten Jahren konnten sich die Nesseltiere aufgrund des Klimawandels stark vermehren. Durch die Erwärmung der Meere werden optimale Bedingungen für die Quallen geschaffen. Hinzu kommt, dass Quallen immer weniger Fressfeinde haben. Bei Thunfischen, Delfinen und Schildkröten gehören die Wabbeltiere auf den Speiseplan - doch durch die Überfischung der Meere geht deren Zahl zurück. Zudem sind Quallen für andere Meeresbewohner keine nahrhafte und schmeckende Beute.
Eine Berührung kann tödlich enden
Quallen bevölkern schon seit mehr als 500 Millionen Jahre die Weltmeere und gehören somit zu den ältesten Tieren auf unseren Planeten. Sie bestehen zu 99 Prozent aus Wasser und besitzen weder Wirbel noch ein Gehirn. Ihre Umgebung nehmen sie mit einem sogenannten Sehsinn war - dabei können sie nur hell und dunkel unterscheiden und sich somit im Wasser orientieren. Die kleinsten Quallenarten, etwa die Irukandijis, sind wenige Millimeter groß; andere Arten wie die Echzienqualle werden zwei bis drei Meter groß und können bis zu 300 Kilogramm auf die Waage bringen.
Einige Medusen, zum Beispiel die Portugiesische Galeere, besitzen Tentakel, die bis zu dreißig Meter lang werden und ein lebensgefährliches Gift in sich tragen. Die Berührung mit der australischen Seewespe, im Englischen „Box Jellyfish" genannt, kann für Menschen und Meeresbewohner tödlich enden. In Australien finden sich deshalb auch in den Sommermonaten vermehrt gesperrte Strandabschnitte, um Schwimmer vor der giftigen Qualle zu schützen. In europäischen Gewässern gehört die Feuerqualle, auch Gelbe Haarqualle genannt, zu den gefährlichsten Quallen. Eine Berührung mit der feuerrot-gelben Meduse kann schwere verbrennungsähnliche Hautrötungen und Schwellungen hervorrufen. Kühlende Cremes und Lotionen sind die perfekten Ersthelfer - oder auch ein simples Hausmittel wie Rasierschaum.
Verbrennungen durch Feuerquallen erlitten dieses Jahr auch zahlreiche Badeurlauber an der spanischen Mittelmeerküste: Bis zu 2.000 Menschen hatten an nur einem Wochenende eine schmerzhafte Begegnung mit den Tieren. An der Costa del Sol tummelten sich tausende Feuerquallen und vermiesten Touristen den Urlaub. Allein im Stadtgebiet von Málaga wurden circa 4.000 Kilogramm Quallen an den Strand gespült. Ob eine derartige Quallenplage dieses Jahr auch die Ost- und Nordsee treffen wird, ist noch unklar - das entscheiden die Temperaturen und die Meeresströmungen.
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