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Das schwimmende Atomkraftwerk: Russland baut Meiler auf dem Meer
Für den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie hat man in Russland nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Hier, im größten Land der Erde, werden derzeit gleich sieben neue Kernkraftanlagen gebaut. Während man in Deutschland über alternative Wege der Energieversorgung nachdenkt, verdoppelt sich in Russland der Anteil der Kernkraft am russischen Strom. Atomenergie ist die Zukunft, da ist man sicher: Sie ist günstig, friedlich, umweltfreundlich - und lässt sich hervorragend exportieren. Selbst dass ein paar ältere Anlagen noch vom Typ Tschernobyl sind, stört hier kaum jemanden.

Das Reaktorschiff im Bau. (Bild: OKBM)
Die Atomhochkonjunktur ist für Russland ein guter Zeitpunkt, um eine alte Idee zu realisieren, eine, mit der man bereits zu Sowjetzeiten geliebäugelt hatte: das erste schwimmende Atomkraftwerk. Ab 2013 sollten tief im Osten, vor der Küste der Halbinsel Kamtschatka, zwei Reaktoren auf einem Schiff befestigt werden und vom Meer aus für die nächsten vierzig Jahre Strom produzieren. Zwar ist fraglich, ob die dünn besiedelte Region diesen Strom überhaupt braucht. Aber der russische Betreiber, die staatliche Agentur für Atomenergie Rosatom, hat auch weniger die einheimischen Abnehmer im Visier. Viel interessanter sind zahlungskräftige Kunden aus dem Ausland wie China, Indien oder Indonesien, an die die Technik verkauft werden könnte.
Widerstand regt sich kaum
Bereits im Sommer 2010 wurde das Schiff, das die beiden Reaktoren tragen soll, in Sankt Petersburg zu Wasser gelassen. Ein mehrere Hundert Millionen US-Dollar teures Projekt: Die "Akademik Lomonossow", so der Name des Schiffs, ist so groß wie ein ganzer Industriekomplex. Der 144 Meter lange und rund dreißig Meter breite Koloss liegt derzeit noch in der Sankt Petersburger Baltijski Sawod-Werft vor Anker. Doch sobald die beiden Kernreaktoren vom Typ KLT-40S installiert sind, ein Modell, das bereits auf russischen Atom-Eisbrechern zum Einsatz kam, soll das Schiff seine Reise nach Kamtschatka antreten.
Widerstand gegen die Pläne regt sich kaum im einsamen, vom Militär dominierten russischen Osten. Und auch das Unternehmen OBKM, das dem Ministerium für russische Atomenergie angehört und die Reaktoren herstellt, sieht keine Probleme. Schließlich sei die Gegend um die Stadt Wiljutschinsk nur dünn besiedelt. Andere Länder würden Atom-U-Boote gleich neben großen Städten ankern lassen.
Heftige Kritik kommt dagegen aus dem Ausland. Vor allem die norwegische Umweltschutzorganisation Bellona kämpft gegen das neue Atomkraftwerk. Ein "schwimmendes Tschernobyl" sieht man dort kommen, die Technik sei zu unsicher, das komplette Projekt eine Zeitbombe. Bei dem Reaktor komme es immer wieder zu Störfällen. Manche sprechen schon jetzt vom gefährlichsten Atomprojekt der letzten Jahre.
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