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Drohnen über Deutschland: Wie jeder ins Visier der Zielfahnder geraten kann
Es geht los. Abseits der Menge kämpfen sich sieben Personen in einem Waldstück durch das Unterholz. Minuten später erreichen sie die Schienen. In ein paar Stunden soll hier ein Castor-Transport mit Atommüll durchrollen - den wollen sie möglichst lange aufhalten. Hastig beginnen die Männer, Steine aus dem Gleisbett zu räumen, um sich dort anketten zu können. Weit und breit ist niemand zu sehen, sie fühlen sich vollkommen unbeobachtet. Doch der Eindruck täuscht: In diesem Moment betrachten Polizisten in einem nahe gelegenen Transporter bereits die Live-Bilder einer Mikro-Drohne. Aus 50 Metern Höhe hat sie den Tatort im Fokus. Der Plan der völlig überraschten Aktivisten geht nicht auf: 15 Minuten nach dem Aufklärungsflug ist eine Einsatzgruppe vor Ort und verhindert die Festkettaktion.
Wie viele Augen hat der Himmel?

Bild: ddpimages, dapd
Sechs Kilometer schafft eine von der Polizei eingesetzte md4-200. Etwa 20 000 Euro kostet das Gerät in der Basisversion. Mehr als 1000 Stück hat die Herstellerfirma davon bereits verkauft, nicht nur an die
Polizei: Die kleinen Maschinen kann jeder erwerben. Und damit selber auf Spähtour gehen. Eine Einladung für Einbrecher oder Attentäter, etwa um unauffällig Sicherheitsmaßnahmen auszuspionieren. Wer nicht ganz so tief ins Portemonnaie greifen möchte, kauft gebraucht oder wählt eine einfachere Variante: Die billigsten Drohnen aus dem Elektronik-Bastelladen gibt es bereits für 300 Euro.
Die Einsatzmöglichkeiten der vom Boden oder per GPS gesteuerten Fluggeräte nehmen zu: Bisher sind außerhalb bestimmter Korridore wie über Truppenübungsplätzen nur Drohnen bis maximal 25 Kilogramm Gewicht erlaubt. Mit dem Anfang 2012 verabschiedeten neuen Luftverkehrsgesetz wird diese Grenze auf 150 Kilogramm angehoben. Damit vervielfacht sich auch das Leistungspaket, das an Bord eingebaut werden kann, z. B. bessere Kameras, mehr Schutz vor Wind. Der Bewegungsradius wird größer. Damit soll nicht zuletzt auch die Jagd nach Verbrechern einfacher werden. Als Mittel zur „Verbesserung der polizeilichen Gefahrenabwehr" bezeichnet das neue Gesetz die fliegenden Späher ganz nüchtern.

Bild: ddpimages, dapd
Bereits jetzt sind Drohnen allgegenwärtig: Ob bei Fußball-Europameisterschaften, einem Zweitligaspiel zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden, bei Großdemonstrationen, der Sicherung der Landesgrenzen oder der Überwachung eines Großbrands - immer öfter patrouillieren die Behörden auch am Himmel. Der Erfolg hat viele Gründe: Eine Drohne kostet einen Bruchteil eines Hubschraubers und lässt sich „im Rucksack" an jeden Einsatzort transportieren. Piloten - im Amtsdeutsch „Luftfahrzeugfernführer" - sind schon innerhalb von zwei Tagen ausgebildet. Die Beamten können bekannte Straftäter aus der Luftperspektive leicht identifizieren. Anonymität, das Untertauchen in der Masse, wird unmöglich. Ein gewaltbereiter Hooligan, ein „Fußballfan" der sogenannten Kategorie C, muss wissen: Von jedem einzelnen Flaschenwurf aus der Menge heraus kann es in Zukunft beweiskräftige Bilder für die Gerichtsverhandlung geben.
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