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Sind Rabenmütter wirklich schlechte Mütter?
Spricht man von einer „Rabenmutter“, weiß jeder sofort, was gemeint ist: Eine Mutter, die zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt und es vernachlässigt. Aber sind weibliche Raben tatsächlich Rabenmütter? Kümmern sie sich wirklich so schlecht um ihren Nachwuchs?
In dunklen Scharen fallen die großen Vögel über die Felder her. Ihr unheimliches Krächzen lässt viele Menschen erschaudern. Wegen ihres schwarzen Gefieders und ihrer Ernährungsweise als Aasfresser gelten sie oft als Unglücksboten. Das symbolische Bild von der „Rabenmutter“ taucht zum ersten Mal in der Bibel auf. In Luthers Übersetzung des Alten Testaments heißt es im Buch Hiob: „Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irre fliegen, weil sie nichts zu essen haben?“ Von Historikern wurde diese Textpassage dahingehend gedeutet, dass sich Raben nicht um ihre Brut kümmern. Deshalb ist diese Redensart auch bereits seit dem 16. Jahrhundert geläufig. Doch objektiv betrachtet sollte „Rabenmutter“ eher als Lob denn als Beleidigung gebraucht werden – denn Rabenweibchen sind in Wirklichkeit ganz ausgezeichnete Mütter.
Fürsorgliche Glucke statt schlechter Mutter
Rabenvögel leben meist monogam. Wenn sich ein Paar gefunden hat, verbringen sie das ganze Leben miteinander. Zusammen bauen sie ein Nest und bringen im Schnitt etwa drei bis sechs Junge im Jahr zur Welt. Um ihre Brut kümmern sie sich ebenfalls gemeinsam. Das müssen sie auch, denn die Jungen werden als Nesthocker geboren: Sie sind nach dem Schlüpfen nackt und blind. Ohne die elterliche Fürsorge wären die jungen Raben also kaum überlebensfähig. Die Rabeneltern kümmern sich – ganz entgegen dem Sprachgebrauch – geradezu aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs. Das Rabenweibchen sitzt in den ersten beiden Wochen nach dem Schlüpfen ununterbrochen im Nest, wärmt und versorgt ihren Nachwuchs. Für die Nahrungsbeschaffung ist in dieser Zeit der Rabenvater zuständig. Er geht auf die Suche und bringt Futter zum Nest.
Arbeitsteilung bei den Rabeneltern
Wenn die Rabenmutter nach den ersten beiden Lebenswochen der Jungen erstmals das Nest verlässt, übernimmt der Vater die Brutpflege. Das zeigt: Nicht nur der Begriff „Rabenmutter“ wird unbegründet verwendet – auch den Rabenvätern wird damit Unrecht getan. Nach circa sechs bis sieben Wochen verlassen die jungen Raben das Nest. Jedoch können sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht fliegen. So kommt es, dass die Jungtiere dann häufig etwas unbeholfen auf dem Boden sitzen und verzweifelt krächzen. Doch die Elterntiere kümmern sich auch in dieser Zeit um ihre Jungen. Bis zu einem Alter von zwei bis drei Monaten werden die jungen Raben von den Eltern weiter mit Futter versorgt. Erst dann müssen die Jungtiere auf eigenen Beinen stehen.
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