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Jahrhundert-Ereignis im Juni: Venus schiebt sich vor die Sonne
Selten hat sich das Frühaufstehen mehr gelohnt: Wer am 6. Juni gegen fünf Uhr morgens aus den Federn kriecht, kommt in den Genuss eines astronomischen Jahrhundertspektakels. Für etwa anderthalb Stunden schiebt sich die Venus genau zwischen Erde und Sonne, so dass wir unseren Nachbarplaneten als kleine schwarze Scheibe erkennen können - eine Art Mini-Sonnenfinsternis.
Ein seltenes Spektakel
Dass ein Transit nur so selten zu beobachten ist, liegt daran, dass Venus und Erde unterschiedlich lange Umlaufzeiten um die Sonne haben. Während die Venus mit einer Geschwindigkeit von 126.000 Stundenkilometern in 225 Tagen um die Sonne kreist, braucht die Erde mit 107.000 Stundenkilometern 365 Tage. Nur alle 584 Tage begegnen sich die beiden Planeten.

Venus-Transit. Foto: DDP
Doch: Die Umlaufbahn der Venus hat eine geringfügig andere Neigung als die Erde. Dass sich beide Planeten genau in eine Linie mit der Sonne stellen, geschieht deshalb nur zwei bis drei Mal pro Jahrhundert - und zwar immer einmal im Abstand von acht Jahren, dann über hundert Jahre nicht mehr. Nachdem wir den letzten Venus-Transit 2004 bestaunen konnten, findet der nächste erst im Jahr 2117 statt. Zu Lebzeiten wird also niemand von uns mehr Zeuge eines solchen Himmelsschauspiels werden.
Für die Wissenschaftler der vergangenen Jahrhunderte war ein Venus-Transit von immenser Bedeutung. Er half ihnen, die genaue Entfernung von der Erde zur Sonne berechnen zu können. Schon Johannes Kepler gelang es, einen Venus-Transit vorauszuberechnen - im Jahr 1631. Und um den Venus-Transit von 1769 beobachten zu können, brach James Cook zu seiner ersten Pazifikreise auf. Glück für ihn, dass sich an diesem Tag keine Wolken vor das seltene Schauspiel schoben.
Mit bloßem Auge sichtbar
Von Deutschland aus lässt sich jetzt allerdings nur die letzte Phase des Venus-Transits beobachten - denn der beginnt bereits um Mitternacht und endet um 6.52 Uhr. Wer in Hamburg wohnt, wo die Sonne bereits um 4.52 Uhr aufgeht, hat also deutlich bessere Chancen als Münchner, die die Sonne erst ab 5.14 Uhr sehen können. Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA wird live aus Spitzbergen berichten, wo die Sonne zu dieser Jahreszeit überhaupt nicht untergeht.
Merklich dunkler wird es bei einem Venus-Transit nicht: Am Himmel erscheint unser Nachbarplanet etwa dreißig Mal kleiner als die Sonne, und so wird bei ihrem Durchzug nur ein Bruchteil der Sonnenfläche verdeckt. Dennoch ist der Transit mit bloßem Auge sichtbar. Wichtig ist ein entsprechender Sichtschutz: Eine Spezialbrille, wie sich auch für eine Sonnenfinsternis verwendet wird, haben viele Hersteller im Angebot; wer durch ein Teleskop schaut, sollte einen speziellen Filter einbauen.
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